WARUM SCHREIBE ICH DAS ALLES?

 

 

Also eigentlich habe ich ja gedacht es lässt sich alles auch auf positive Weise darstellen. Also mit minus eins multiplizieren oder so? Weil minus mal minus ja plus ergibt? Aber ich habe gelernt hin und wieder auch ein bisschen sauer zu sein hilft. Und wenn es um den ganzen billigen Ramsch geht, der einem in so gewöhnlichen Geschäften angedreht wird, werde ich grantig. Meistens äußert sich mein Unmut dann in unmissverständlichen Geräuschen und gerunzelter Stirn und ich fange an nach Worten zu suchen, die dieses Gefühl für andere verständlich machen. Meistens glaube ich, dass man den Dampf, der aus meinen Ohren kommt, sehen kann. So müsst ihr euch mich jetzt gerade vorstellen. Es sieht von außen ganz witzig aus. Ist es aber nicht.

 

 

(M)EINEN TRAUMBERUF MACHEN

 

Ich komme aus einer Familie in der Textilien und Kunst immer schon einen hohen Stellenwert hatten. Meine Mutter ist auch Lehrerin für Textiles Gestalten. Meine Oma wäre eine geschickte Schneiderin gewesen, hätten ihr nicht der zweite Weltkrieg und andere Ärgernisse den Weg zu einer Lehre versperrt. Sie wurde nämlich in die Modellmacherei bei Schneiders befördert, obwohl sie nur eine angelernte Näherin war. Ihre Mutter (meine Uroma) war auch Schneiderin. Die Herren davor waren Weber, die haben noch mit einem echten Webstuhl ganz echte Stoffe selbst gewebt. Heutzutage ist das sehr selten geworden, was dazu führte, dass sehr viel Wissen bereits verloren ist. Könnte ich in der Zeit zurückreisen würde ich sie ganz sicher bis ins letzte Detail über ihr Handwerk ausfragen. Sobald ich mir diese Familientradition in Erinnerung rufe, wundert es mich nicht mehr, dass mich der Ramsch grantig macht. Immerhin haben meine Vorfahren schon sehr lange ihren Lebensunterhalt mit Textilien bestritten. Nur mir erscheint es in der heutigen Zeit unmöglich das zu tun. Ich kenne aber sehr viele Menschen, denen es ähnlich geht wie mir. Eigentlich würden sie viel lieber .... tun. Aber es kauft uns ja keiner was ab. Ich hoffe es täuscht mich.

 

 

DIESES WISSEN DARF NICHT AUSSTERBEN!!

 

Die Produktion von Textilien beinhaltet sehr viele, durchaus schwierige Handwerke. Der Rohstoff muss erst einmal produziert werden - entweder pflanzlich (Baumwolle, Leinen, ...) oder tierisch (Wolle, Leder und Seide). Dann muss aus dem Rohstoff ein Faden gesponnen werden, das ist mir gar nie gelungen. Dieser Faden muss auch gefärbt werden und gute Farbtöne zu erwischen und vor allem öfters den gleichen Ton zu färben war ganz schön schwer. Jede*r hat schon mal von Batik gehört, aber keiner weiß was es wirklich ist. Tatsächlich heißt Batik dass man den Teil des Musters, der nicht gefärbt werden soll, mit Reispaste verklebt. So bleibt dieser Teil des Stoffes in einem Topf aus kochender, flüssiger Farbe weiß. Shibori ist das, das alle zu kennen glauben. Habt ihr schon mal von Ikat oder Blaudruck gehört? Modeldruck? Siebdruck? Kupferstichen? Plotterfolie? Quilt? Applikation? Mola? Sticken? All das möchte ich auf dieser Internetseite beschreiben.

 

Nach dem Färben oder Bedrucken einer Textilie gibt es zwei grobe Unterteilungen: entweder der Faden wird verwebt oder verstrickt. Am einfachsten ist da das Brettchenweben. Aber es gibt neben den normalen Webstühlen auch Jacquard Webstühle. Und natürlich große Strickmaschinen. Also ratet mal was alles gestrickt ist? Ich habe neulich so lachen müssen, weil meine Schwester von einem Socken sprach, der gestrickt ist. Sie meinte dass er so aussah als hätte ihn eure Oma gemacht. Es gibt nur halt leider keinen einzigen Socken der nicht gestrickt ist. Es wäre per se unmöglich aus einem Gewebe so etwas Bewegliches wie eine Socke zu machen. Auch T-Shirts sind gestrickt, Kapuzenpullis und Sweatshirtjacken und Jogginghosen auch. Generell alles, das dehnbar und nicht aus Poly--- gemacht wurde ist gestrickt. Bei Jeans gibt es da ein paar Ausnahmen. Für diese grobe Unterteilung gibt es natürlich auch unzählige Unterkategorien, die ich mal  bei Materialkunde beschreiben werde. Natürlich könnte man den Faden auch knüpfen, häkeln oder flechten um eine Fläche zu erhalten. Erst wenn all das erledigt ist beginnt die Arbeit die mir am meisten Spaß macht. Schnitte entwickeln und zeichnen und das beste Material auswählen, damit -- ihr ahnt es - man das dann in ein Kleidungsstück oder eine Tasche verwandeln kann!

 

All das ist zur Gestaltung von praktischen, eleganten und coolen Kleidungsstücken oder Schmückern geeignet. Ihr könnt es entweder selbst machen lernen oder fertige Produkte kaufen. Es gibt immens viel über jeden einzelnen dieser Schritte zu lernen und nichts davon ist langweilig. Nur schlaue Handwerker können gute Arbeit leisten. Aber durch die Flut an billigen Produkten sind diese Handwerker überflüssig geworden. Und mit ihnen stirbt - wie bereits erwähnt - auch ihr gesamtes Wissen. Das macht mich traurig und wütend und ich möchte es unbedingt vermeiden.

 

 

QUALITÄT IST WICHTIGER ALS QUANTITÄT

 

Vor ein paar Wochen bin ich durch den Europark (Salzburgs beliebtestes Einkaufszentrum) gestreift, weil ich nach Antworten gesucht habe. Dort hängt alles an sehr schönen Kleiderstangen oder wurde penibel in schöne Regale geschlichtet und optimal beleuchtet. Aber mehr ist es meistens doch nicht. Ich kenne zwei Schneidermeister, die noch echte Herrenschneiderei gelernt haben. Ich habe sie beide über meine Wissenslücken ausgefragt und immer Freude mit ihnen zu reden. Oft wünsche ich mir bei der Arbeit ich hätte die Schneiderei richtig gelernt mit allem drum und dran. Meine perfektionistische Herangehensweise kann schon sehr viele Unzulänglichkeiten ausgleichen, aber das genügt mir oft nicht. Alles Details, die euch nie im Leben auffallen würden ;-D. Irgendwann hat mich einer der beiden völlig entgeistert gefragt, warum ich auf so was Wert lege. Ich habe geantwortet, dass schiefe Säume schon okay sind. Aber dann muss ich es auch offensichtlich sein, dass das so zum Design gehört. Allerdings möchte ich hin und wieder auch gerade Rocksäume und die sollen dann halt wirklich gerade sein. Daraufhin hat er nur gemeint es ist doch heutzutage eh alles erlaubt, ich sollte mir nur nicht zu viele Gedanken machen. Der Punkt ist aber: es freut mich dass ich jedes Design machen kann und so viele Kleidungsstücke so gemütlich sein dürfen. Bei miesen Materialien, ungenauer Verarbeitung und nicht durchdachtem Design hört sich der Spaß aber auf. Das bedeutet kurz zusammengefasst, dass man nicht lang was davon hat und sich auch beim Tragen nicht besonders schön und attraktiv fühlt. Bei besagtem Trip durch den Europark habe ich nur ein einziges Kleidungsstück gesehen, das meinem Standard wirklich entspricht.

 

 

♥️

 

Ihr seht also, das Textilien für mich sehr wertvoll sind. Ich habe meinen Traumberuf schon gefunden. Ob ich ihn auch machen kann hängt von euch ab. Es ist so wie es in onceuponacream beschrieben wird: die Rechnungen zu euren Einkäufen sind heutzutage der wichtigste Stimmzettel. Ihr entscheidet, ob ihr einen Großkonzern unterstützen wollt. Oder sind es lieber kleine, feine Geschäfte, die sich noch um das Wohl aller Beteiligten kümmern? Die ihre Arbeit lieben und euch ein wunderbares Produkt übergeben? Es gibt eine Armee aus Davids und es lohnt sich, sie zu unterstützen.

 

WEITER ZU TEIL 2

 

 

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Ich heiße Julia Bachleitner und beschäftige mich schon seit 16+ Jahren mit Mode. Dementsprechend groß ist das Angebot... :D Meine liebste Beschäftigung ist anderen den Zauber vom selbermachen näherzubringen. Wem das zuviel wird: man kann auch nur lesen und fair kaufen!! Zum Glück finde ich Vieles, das auch fair und hochwertig ist -- diese Dinge könnt ihr hier entdecken! Viel Spaß damit!!

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