GOTISCHES GLASFENSTER
GOTISCHES GLASFENSTER

gotik

Mir haben an der Gotik eigentlich immer die Kathedralen am besten gefallen. Das sind die großen Kirchen, die so arg in die Länge gezogen wirken. Die bunten Glasfenster in den schier unendlich hohen Räumen geben dem Ganzen etwas sehr besonderes. Aber hier geht es um Kostüme.

 

historische fakten

MANESSE HANDSCHRIFT CA 1325
MANESSE HANDSCHRIFT CA 1325

Die Gotik zählt, wie die Romanik, zum Mittelalter. Dennoch gab es in der Gotik soziale Umstrukturierungen und ein freieres Denksystem entwickelte sich, das die Menschen in den Mittelpunkt setzte. Dies entstand, da nicht mehr nur die Kirche Trägerin der Kultur war, sondern auch das aufstrebende Bürgertum und die größer werdenden Städte. Dieser Freigeist wird von Gottes Licht angestrahlt, was sich besonders in der Architektur der Kathedralen wiederspiegelte. Für jemand aus dieser Zeit musste eine Kathedrale von innen ein unglaubliches Erlebnis gewesen sein, vor allem nachdem sich die bunten, großen Glasfenster entwickelten, durch die das Licht besonders magisch wirkte. Dies fällt unter anderem in das Maßwerk, ein aus Kreisen und Kreisbögen zusammengesetztes Ornament. Dieser Baustil hatte seinen Ursprung in Frankreich, charakteristisch waren außer den Fenstern auch hochragende Türme, Spitzbögen und eine stark senkrechte Gliederung.

 

Die Zünfte blieben gleich, sammelten aber miteinander Geld in Eisenkisten, zu denen nur der Zunftmeister Zugriff hatte. Diese Eisenkisten hatten drei Laden, in der Untersten befand sich ein Löwenkopf. Auch das Sprichwort „auf den Hund gekommen“ stammt aus dieser Zeit, es bedeutete, dass dieser Kopf nicht mehr von Geld bedeckt wurde. Dieses Geld diente als erste Form der Sozialversicherung.

 

Der Löwe war ein Symbol für Kraft und Mühe, auch anderen Tieren wurden Symbole zugeordnet. Auch Blumen hatten ihre eigene Bedeutung, die Lilien, Tulpen und Rosen galten als erotisierend und verwandelnd. Andere Blumen, Blüten und Pflanzen hatten moralische oder medizinische Bedeutungen. Alfons Schuhbeck, ein Münchner Koch, hat einen Chemiker eingestellt, der die Bedeutungen dieser Pflanzen auf ihre tatsächliche Wirkung überprüft. Heute stellt sich heraus, dass vieles davon genau richtig eingesetzt wurde.

 

Die Meister lebten mit ihren Frauen, Gesellen und Lehrlingen. Um als Lehrling eingestellt zu werden, musste man den Meister bezahlen und oft in der Werkstatt leben, das Essen bekam man jedoch vom Meister. Sollte der Meister sterben, hat seine Frau den Gesellen geheiratet. Man konnte zwar eine Gesellenprüfung leicht ablegen, aber zum Beispiel in der Schneiderei waren nur die Meister für den Zuschnitt und die Anprobe zuständig. So konnten nur die schlauesten unter den Gesellen, die den Meistern ihre Geheimnisse heimlich entlockten, selbst zum Meister werden.

 

kleidung

BURGUNDISCHE HOFMODE CA 1450
BURGUNDISCHE HOFMODE CA 1450

Die Kleidung der Gotik war anmutig und elegant, kompliziert und aufwendig. Da Frankreich die Vormachtstellung in Europa übernahm, beeinflussten sie auch die Mode. Durch fahrende Sänger und Kaufleute wurde die Mode über Europa verbreitet, so konnte sie sich auch schneller verändern. Erstmals gab es die Gewandschneider, die die Kleidung herstellten. Wie in der Architektur waren auch in der Kleidung gestreckte, schlanke Formen wichtig, sowie eine stärkere Taillenbetonung und leuchtende Farben.

 

Um 1450 entwickelte sich am Hof des reichen Herzogtum Burgund eine Mode mit seltsamen Übertreibungen. Auch die burgundische Mode wurde mit der Zeit in ganz Europa verbreitet, sie galt als Statussymbol. Die Kanten waren nicht gerade sondern zackig, sie wurden Zaddeln genannt, ausgeschnittene oder angesetzte Stoffstreifen an den Rändern, und Schellen verzierten das Gewand. Weitere wichtige Merkmale dieser Mode waren überspitzte Formen von Kopfbedeckung und Schuhen, sowie Glöckchenverzierungen, Wülste und Wattierungen. Der Seidenbrokat sowie die kostbarsten Stoffe stammten alle aus dem Burgund.

 

Die Monatsbilder sind Miniaturen der damaligen Zeit, anhand derer man die Mode aufs genaueste feststellen kann. Auch in der Tristangeschichte werden die Menschen und ihre Mode abgebildet.

 

In der burgundischen Mode entstand die Houppelande, sie ist ein mantelähnliches, langes, an der Taille faltenreiches, gegürtetes Obergewand für Frauen und Männer. Sie hatte meist einen Stehkragen, wurde an den Ärmeln mit Zaddeln verziert und geschlitzt, damit das Untergewand sichtbar wurde, und blieb vorne meist offen.

 

Auch die Schuhe wurden verändert, sie waren flach mit ausgestopften Spitzen, man nannte sie Schnabelschuhe. Diese Spitzen waren bald so lang, dass man sie mit Bändern an den Oberschenkeln befestigen musste, um gehen zu können. Draußen kam die sogenannte Trippe zum Einsatz, die den Schuh schützte und zwei Holzkeile unter den Absätzen hatte.

 

Junge Frauen und junge Männer trugen zum offenen Haar einen Reif, das Schapel, der woch auch ordentlich verziert wurde.

 

BURGUNDISCHE MODE IM 15 JAHRHUNDERT
BURGUNDISCHE MODE IM 15 JAHRHUNDERT

Das Wams entwickelte sich, es war ein geknöpfter Leibrock der Männer, das über dem Hemd, manchmal unter dem noch wadenlangen Oberrock getragen wurde. Bis in den Frühbarock wurde das Wams eingesetzt, danach verwandelte es sich wohl in den Justeaucorps.

In der burgundischen Mode wurde der Rock oder das Wams immer enger und kürzer und erhielt vorne einen Verschluss. Vorder- und Rückenteile, die taillenabwärts verlaufenden Schoßteile und auch die langen, engen Ärmel hatten einen formgerechten Zuschnitt.

Die Schecke hingegen war ein hüftlanger, stark taillierter Oberrock für die jüngeren Männer. Er war vorne eng anliegend und geknöpft oder stark ausgeschnitten, der Rücken und die Schoßteile wurden in Falten gelegt. Die Oberärmel und die Brustpartie der Schecke wurden stark wattiert, der Kragen reichte bis zum Kinn. Offene Ärmel hatten oftmals lang herabfallende Lappen, während man die geschlossenen Ärmel am Handgelenk gerne mit einer Muffe versah. Ältere Männer bevorzugten längere Obergewänder, vor allem für festliche Gelegenheiten. Der Gürtel rückte auf die Hüfte und wurde zum Schmuckstück.

 

Die strumpfähnlichen Beinlinge aus Leder oder dehnbaren Stoffen wurden unter dem Rock am Wams befestigt. Mi-Parti war damals ein entscheidendes Merkmal der Mode, es bedeutete unterschiedlich gefärbte Beinlinge zu tragen. Gestreifte Beinlinge waren eine Zuordnungsmöglichkeit, diese trugen nur Männer mit negativen Berufen, wie etwa Henker und Richter. Im 14. Jahrhundert wurden die Beinlinge oben verbunden, so dass eine Hose entstand. Zum Schutz und als Betonung wurde der Hosenlatz schon jetzt beutelförmig, die Schamkapsel oder Braguette entstand.

 

Der Tappert ist ein ringsum geschlossenes, faltenreiches Obergewand für Männer, das bis zu den Knien oder den Knöcheln reichte und ungegürtet war. Die Länge der Mäntel variierte, einige waren lang und schleppend, andere reichten nur bis zur Hüfte.

 

Für die Männer gab es neben dem Schnabelschuh zum Glück auch stiefelartige Stulpenschuhe. Die Schnabelschuhe waren nämlich so überdimensional lang, dass man darin ungeübt ungefähr so gut gehen konnte wie heutzutage mit einem 10cm Absatz.

 

Mit der Zeit wurde das lange Haar für Männer unmodern, doch es wurde mit einem Brenneisen gekräuselt. Als Kopfbedeckungen gab es die Gugelkapuze mit kragenartigem Schulterstück und Schweif, die noch heute Bestandteil der Narrenkleidung ist, sowie ein dicke Kappen, hohe Filzhüte und auch der Turban kam in Mode. Außerdem gab es eine flache Kappe oder Stoffwulst, mit einem langen, herabfallenden Stoffteil, die Sendelbinde genannt wird.

 

JAN VAN EYCK 1435
JAN VAN EYCK 1435

Im 13. Jahrhundert war das Frauenkleid, die Cotte, noch durchgehend geschnitten und wurde lose oder gegürtet getragen. Es war wenig tailliert, hatte einen überlangen, faltenreichen Rock und enganliegende Ärmel oder am Handgelenk sehr weite Tütenärmel.

 

Im 14. Jahrhundert wurde das Kleid am Oberteil stark geschnürt, erhielt vorne einen breiten Ausschnitt und einen Knopfverschluss. Der Rock erweiterte sich erst ab der Hüfte, die man oft durch einen Gürtel betonte. Anliegende Ärmel erhielten eine trichterförmige Erweiterung am Handgelenk, die Muffe. Auch kurze Ärmel kamen in Mode mit am Rückenteil befestigten, lang herabfallenden Stoffstreifen, diese wurden Hängeärmel genannt. Allmählich wurden Rock und Mieder im Zuschnitt getrennt, wodurch das Mieder, ein Leibchen, sehr eng geschneidert werden konnte. Die Ansatznaht des langen, schleppenden Rockes wurde mit einem Gürtel verdeckt.

 

Als Übergewand trug man auch in der Gotik Surcot oder Suckenie, die Ärmelausschnitte reichten aber mit der Zeit bis zur Hüfte und gaben den Blick auf die Taille frei, weshalb sie Höllenfenster genannt wurden. Manchmal reichte der gesamte Surcot nur bis zur Hüfte und hatte pelzverbrämte Kanten.

 

Der Nuschenmantel ist ein rundgeschnittener Schultermantel, der vorne mit einer Spange, der Nusche, gehalten wurde.

 

Verheiratete Frauen trugen ihr Haar zu Zöpfen geflochten und aufgesteckt, in der Öffentlichkeit wurden sie bedeckt. Neben Kopftüchern gab es auch verschiedenste Hüte.

 

Die burgundische Mode brachte eine überschlanke Silhouette der Frau mit sich. Das knappe Oberteil erhielt einen sehr tiefen, spitzen Ausschnitt, das Vorderteil des Mieders wurde mit Brustlatz und einem Schalkragen versehen. Enganliegende Röhrenärmel mit Muffe, bauschige Beutelärmel mit Armschlitzen sowie sehr lange Tüten- und Hängeärmel und offene Flügelärmel waren beliebt. Taillennaht und Gürtel rückten dicht unter die Brust und die Schleppe am hinteren Ende des Rockes wurde sehr lang.

 

Die Hüte der Damen nahmen zur Zeit der burgundischen Mode gewaltige Ausmaße an. Der Hennin ist ein typisches Beispiel, ein hoher kegelförmiger Hut mit langem, flatterndem Schleier. Andere Beispiele sind eine wulstige Hörnerhaube, sowie der Kruseler, der an der Spitze in viele kleine Falten gelegt oder gekräuselt war, wodurch steife Rüschen entstanden. Daher kommt das Wort kräuseln.

 

Handschuhe und Fächer vervollständigten die Frauenkleidung. Schmuck und wichtige Ziergegenstände wurden mit Edelsteinen besetzt, dazu zählten Goldketten, Agraffen, Gürtel, goldene und silberne Schellen, Knöpfe und Spangen.

 

Diese Seite soll ein Wegweiser für faire und nachhaltige Kleidung sein. Außerdem will ich euch den Zauber vom selbermachen näherbringen. Es gibt so viel anderes zu Entdecken!! Es ist auf dieser Seite aber alles erst am Entstehen. Und das Motto ganz oben gilt vielleicht am meisten für mich selbst.

 

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