Türkische Friseure, Spiegelbilder und ich

 

Da meine Haare gerade bürstenkurz sind und ich eigentlich einen Männerhaarschnitt brauche, habe ich mir gedacht ich will nicht Unsummen für etwas sehr Simples ausgeben. Bisher war ich bei einer Freundin zweimal auch zum Haareschneiden. Die hat nämlich zwei Söhne, früher nicht viel Geld und deshalb Übung im Haarescheren, das ist die korrekte Bezeichnung für meine Frisur. Leider hat sie zurzeit sehr wenig Zeit und ich habe sie schon länger nicht gesehen. Also habe ich mir gedacht ich probiere einmal einen türkischen Friseur aus. Wie so oft hat mich die Logik zu dieser Entscheidung getrieben: ich dachte, da die türkischen Männer immer sehr adrett aussehen, können die das wohl auch gut genug für mich. Ich bin da sehr kritisch. Der Tragweite dieser Entscheidung war ich mir nicht bewusst.

 

Also bin ich - dummerweise gleich auch Samstag mittags - zu einem türkischen Friseur ins Lokal. Dem ersten: "Wir bedienen nur Männer" habe ich ein "Ja, ich brauche eh einen Männerhaarschnitt" entgegengesetzt. Aber zehn Sekunden später ist mir aufgefallen, dass da ganz anderes als Logik abläuft. Den Chef habe ich dann gefragt, ob er Haare auf 2,8 cm einmal rundum kürzen kann. Das musste er wohl oder übel mit Ja beantworten. Dann habe ich ihn ein paar Sekunden lang herausfordernd angestarrt - das hilft bei Männern immer. Dann hat er gemeint, dass er das schon macht, ich müsste halt warten wie die anderen. Die Wartezeit habe ich mit der Beobachtung der Friseure bei der Arbeit eigentlich ganz spannend gefunden. Zum Haarezupfen hat mein Friseur einen Gummifaden verwendet, den ich für Crash-Effekte bei Kleidung einsetzen würde. Die türkischen oder arabischen Gespräche der anderen habe ich blöderweise nicht verstanden, sonst hätte ich darauf reagieren können. Vier Sessel weiter ist einer gesessen, der die ganze Zeit geschmunzelt, in sich hinein gegrinst und mit den Nasenflügeln gewackelt hat.

 

Ganz unabhängig von dieser Situation ist noch etwas Ähnliches passiert. Der Besitzer unserer Werkstatt geht meinen Kollegen sehr auf die Nerven. Ich weiß nicht so genau, was da los ist. Aber ich fand es nicht okay, dass meine Kollegen seinen Sohn für etwas foppen, das der Bua nicht verbrochen hat. Sie wissen ja gar nicht, was der Sohn von den Aktionen seines Vaters hält. Allerdings würde man wahrscheinlich immer zu seinen Eltern halten und die anderen als Idioten sehen. Und sich über die anderen ärgern und denen dann im Gegenzug eins auswischen. So kann aber keine gute Beziehung entstehen. Einer von den Streithansln (meine Kollegen oder der Bua) muss also anfangen den anderen respektvoll zu behandeln. Das erfordert viel Mut, der meistens belohnt wird. Mittlerweile werden nämlich schon Kaffeemaschinen repariert und im Gegenzug Teile für die Heizung besorgt. Wird schon werden. Nur: weil der Vater ein Trottel ist, heißt es nicht, dass sein Sohn es auch ist. Nur weil der eine Türk ein Trottel ist, heißt es auch nicht, dass der andere Türk einer ist.

 

Eine ganz andere Herausforderung ist es Verhaltensweisen differenziert zu betrachten. Hat es überhaupt einen Sinn den anderen ändern zu wollen? Es geht meistes sowieso

 

Manchmal machen Menschen einfach Dinge, die man nicht versteht. Dann sollte man ihnen die Chance geben zu erklären, warum sie das so machen. Und so hat mich der Friseur ausgefragt als er mir die Haare geschoren hat. Warum meine Haare so kurz sind war die Frage. Dafür gibt es viele Gründe, aber der Wichtigste ist die Akzeptanz des Schicksals. Sie sind seit sieben Monaten schon sehr kurz und jedesmal wenn ich seit daher in den Spiegel geschaut habe, habe ich gewusst, dass es jetzt anders ist. Und es hat etwas Neues angefangen, obwohl ich so lange gemeint habe: Wenn sich eine Tür schließt, bleiben alle anderen auch geschlossen. (ERKLÄRUNG FÜR DAS VERHALTEN DER TÜRKEN HIER EINFÜGEN!!!!)

 

Es kann natürlich vorkommen, dass man sie trotzdem nicht versteht. Dann hilft oft nur ein Satz von meinem Kollegen, der gerade die Kaffeemaschine repariert:

 

Achmachdochwasduwillst...