Zero Waste Project

Seitdem ich als Kind gelesen habe, dass die Indianer Nordamerikas keinen Müll produziert haben, beschäftigt mich unser Müllproblem. Wo kommt der Müll hin, wenn wir ihn nicht mehr brauchen? Was machen die von der Müllabfuhr damit? Das sind die Fragen, die ich mir damals, vor über zwanzig Jahren, gestellt habe. Weil ich dachte, dass die Indianer das eben auch hinkriegen und aus allen Teilen eines Bisons etwas Sinnvolles herstellen. Entweder eine Mahlzeit oder eben Nadeln, Bogensehnen, ... Das hat mich in meiner Volksschulzeit fasziniert. Ich habe schon mitgekriegt, dass das vielen anderen sehr egal ist. Aber geändert hat es nur, dass ich mich deswegen komisch gefühlt habe. Der Gedanke, dass nichts umsonst sein soll beschäftigt mich bis heute. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mich dieses Problem endlich auslässt. Aber dann kommt es wieder zurück und geistert in meinem Kopf herum.

 

Grundsätzlich können ja Dinge, die nicht essbar sind, auch nicht schlecht werden, solang man sie richtig lagert. Es ist auch nicht ein Großkonzern, der die Dinge produziert. Es sind immer Menschen. Die die Baumwolle angepflanzt haben, die dem Schaf Futter gegeben haben, die die Materialien versponnen haben, die das Gesponnene verwebt oder verstrickt haben, die das Gewebe oder den Jersey gefärbt haben, die das dann eventuell auch bedruckt haben, die das zugeschnitten und genäht haben. Das sind ganz oft Menschen, die auch Grundbedürfnisse haben. Die gern im Warmen schlafen, die genug zu essen brauchen, die auch gerne einen richtigen Partner für's ganze Leben finden wollen, ... Denen ihre Würde aber durch zu schlechte Bezahlung meistens genommen wird. Und wenn man sich das mal vor Augen hält, wäre es doch das Mindeste, das man tun kann, die Textilien mit genügend Wertschätzung zu behandeln. Also mit Achtsamkeit das Richtige einkaufen gehen und das dann auch oft genug zu tragen.

 

Vieles kann ich nicht ändern. Aber bei textilem Müll kenne ich mich mittlerweile so gut aus, dass ich sagen kann: es müsste nichts davon weggeschmissen werden. Man könnte aus allem etwas Neues produzieren. Wenn man die nötige Erfahrung mit textilen Materialien hat und coole Dinge designen kann.

 

Das größte Problem bei textilem Müll ist: es ist kein Biomüll. Auch wenn draufsteht, dass etwas aus 100% Baumwolle ist, ist immer ein bisschen Elasthan dabei, um den Stoff stabil zu machen. Elasthan = Plastik = es verrottet nicht (so schnell). Aber das weiß eh jede*r. Verbrennen ist irgendwie auch keine richtige Lösung, weil es oft schade ist um die vielen schönen Rohstoffe. Außerdem ist es nicht wirklich gut für die CO2 Bilanz. Aber es gibt eine bessere Lösung und die nennt sich Recycling. Das weiß auch jede*r. Und hier ist der Plan!

 

Resteverwertung

Jede*r, der schon mal genäht hat, weiß, dass immer auch Reste anfallen. Die nennt man Verschnitt in der Fachsprache. Nur: bei riesigen Produkten bleiben auch riesige Reste. Das heißt: was für einen Sonnenschirmhersteller ein nutzloser Rest ist, ist für einen Taschenhersteller gefundenes Fressen. Oder eben für eine, die sich eine Tasche für sich nähen will. Oder einen, der sich einen Rucksack nähen will... Ein heißer Tipp am Rande: Sucht nach Segelmachern, Tapezierern oder Ähnlichen in eurer Umgebung und fragt, ob ihr mal in der Restekiste wühlen dürft. Da gibt es gelegentlich Schätze (fast) geschenkt.

 

Second Hand Kleidung

Der Vollständigkeit halber füge ich das bekannteste Recycling auch ein. Second Hand Geschäfte gibt es glaube ich eh überall. Oft sind es Projekte, die gleichzeitig Langzeitarbeitslosen eine Chance geben, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Dinge unterstütze ich gern und habe auch schon ein paar Schnäppchen ergattert.

 

Reparieren von Kleidungsstücken

Aber jetzt wird es wirklich ernst. Für mich ist gerissene Nähte schließen und Knöpfe wieder annähen eine Sache von Minuten. Löcher flicken und Reißverschlüsse austauschen kann schon etwas mehr Zeit beanspruchen. Viele meiner Freunde und Verwandten können das auch. Deshalb habe ich lang unterschätzt, dass das ein ernsthaftes Problem in unserer Gesellschaft sein könnte. Für mich wäre es am Leichtesten, wenn ich euch das persönlich zeigen könnte. Aber es gibt zum Teil bei den Nähtricks schon Anleitungen. Da könnten noch mehr hinzukommen...! (Note to self).

 

Upcycling von schönen Stoffen

Ich wollte nicht schon wieder das K-Wort verwenden. Im Wesentlichen geht es hier um solche, die irgendwie nur rumliegen. Dann kann es sein, dass man die nur wegen dem schönen Stoff gekauft hat. Loops und Beanies gehen aus fast allen dehnbaren Kleidungsstücken heraus. Täschchen und Patchwork aus allen undehnbaren Stoffen (=Gewebe). Generell alles, das aus lauter kleinen Schnitteilen besteht, kann man auch aus alten Dingen herausschneiden. So bekommen die alten eine zweite Chance.

 

Schnipsel verwerten

Wenn man alle bisherigen Möglichkeiten in Betracht gezogen hat, bleiben tatsächlich nur mehr relativ kleine Schnipsel über. Und die können zu "Watte" verarbeitet werden. Daraus wird dann Dämmmaterial oder Decken oder Taschenverstärkungen oder Polsterfüllungen usw.