7. Du sollst nicht stehlen...!

Diebstahl ist immer wieder ein großes Thema in der Kunst und genauso im Design. Das Gefühl, das Ideenklau auslöst, macht den folgenden Text auch sehr bitter und das Bibelzitat unumgänglich. Es bleibt das Einzige.

 

Ich will Diebstahl hier wirklich niemand unterstellen, aber es ist auch so leicht, Sachen zu stehlen... Nehmen wir mal an Ihnen gefällt eine meiner Taschen und Sie versprechen sich große Verkaufszahlen von dieser Tasche. Ihr Netzwerk an Produzenten und Verkäufern steht schon. Nun, Sie brauchen die Tasche nur an Ihre Produzenten in China oder Bangladesch zu schicken, die wissen garantiert wie sie Ihnen billige Fakes dieser Tasche in großer Stückzahl anfertigen. Nähte auftrennen oder abschneiden, auf Papier flach auflegen, abzeichnen und der Schnitt ist schon fertig. Wieder zusammensetzen ist da schon schwieriger... aber dann gibt's da auch noch diese Website, wo sogar das Zusammensetzen Schritt für Schritt erklärt wird! Gefundenes Fressen! Wie blöd muss man sein?!

 

Nun, mein Ziel ist ein anderes. Wenn Sie wollen können Sie gern alle Schnitte in Bangladesch produzieren lassen. Mir geht es um was anderes. Menschen mit meinen Anleitungen Freude zu bereiten ist eines der Hauptziele. Jemand wieder Hoffnung geben, dass er/sie etwas schaffen kann, auch. Dies so unkompliziert wie möglich für Käufer zu machen, hilft ihnen über den Schatten zu springen, denke ich. Die Interessierten gegen die Ohnmacht des nur scheinbar endlosen Angebots zu Wappnen spielt aber wirklich die größte Rolle. Allerdings, wer mit meiner Anleitung ein hochwertiges Unikat leicht und billig selbst herstellen kann, braucht auch kein Billigangebot aus Bangladesch mehr. Oder?

 

Aber im Grunde geht es beim Stehlen oder nicht stehlen immer nur um eins. Das eigene Gewissen. Ich weiß zwar möglicherweise nicht, dass Sie meine Produkte in Bangladesch nachproduzieren und hier viel billiger verkaufen wollen. Der Konsument weiß möglicherweise auch nicht, dass es für ihn geschickter wäre mein Produkt selbst zu machen, weil es dann individuell ist und länger hält. Vielleicht kennt er die Website auch gar nicht. Aber es gibt immer eine Person, die Bescheid weiß. Und die sind Sie selbst. Sie wissen, dass es nicht Ihre Idee war. Sie wissen, dass Sie nicht selbst draufgekommen sind. Sie wissen, dass es fremde Federn sind, mit denen Sie sich schmücken. Sie wissen, dass jemand unter Ihrer Gemeinheit leidet. Sie wissen, dass der Gewinn eigentlich mir zusteht. Und das ist kein gutes Gefühl.

 

Im Vergleich dazu macht eine eigene, geniale Idee geradezu euphorisch. Allein deshalb zahlt es sich aus die eigenen Ideen zu forcieren. Oder eben den gerechten Preis für die Idee eines anderen zu zahlen. Dann gibt es auch keinen Grund, sich schuldig zu fühlen.