WARUM SCHREIBE ICH DAS ALLES? TEIL 2

 

Im ersten Teil habe ich mich mal darüber beschwert, dass ich eigentlich gern meinen Traumberuf machen würde. Und meine Angst um das Wissen beschrieben. Und erklärt warum ich davon überzeugt bin, dass Qualität wichtiger ist als Quantität. Das ist der Status Quo. Aber jetzt will ich euch meine Wunschliste für alle kommenden Weihnachtsfeste beschreiben, 2019 inklusive. Natürlich gibt's auch einen Typ, der sich hoffentlich auch in mich verliebt, und so. Aber im Großen & Ganzen ist meine "Bucket List" sehr auf Textilien beschränkt. Weil halt auch alles reinpasst.

 

 

MEINE HANDWERKE WIEDER BELEBEN

 

An einem dieser Dezembertage (2019) habe ich auf ARTE eine Dokumentation über Harris Tweed gesehen. Es war so großartig, weil darin nur Handwerker (=Künstler) vorkommen, die wirklich genau wissen, was sie tun. Ich habe ja zuvor schon erwähnt, dass ich in einem ganzen Einkaufszentrum oft nur ein Kleidungsstück finde, das ich richtig toll finde. Aber in dieser Doku ging es echt nur um Menschen, die Sachen machen, die ich noch viel besser finde. Das Schönste an solchen Handwerkern ist immer ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Man merkt, dass sie das einfach gern tun. Dabei kann man auch einem Stoff beim Entstehen zusehen.

 

In der Doku, die mir auch sehr viel Hoffnung gibt, geht es um die äußeren Hebriden (Schottland) und ein paar deren Bewohner*innen. Dort wird aus feiner Schafwolle wieder feiner Stoff (Tweed) gewebt. Dieser erlebt durch berühmte Modehäuser einen neuen Aufschwung. Mich fasziniert das viele Wissen, das in die Produktion fließt. Die echten Tweeds erkennt man nur unter einer Lupe: die Farbe entsteht hier nicht indem der fertige Stoff in ein Farbbad getaucht wird. Beim Tweed wird schon die Wolle in 46 Farbtönen gefärbt und die Garne aus bis zu acht verschiedenen Farbtönen zusammen gestellt. So lassen sich viel leichter schöne Farbtöne herstellen, weil es ein viel stimmigeres Gesamtbild ergibt. Wenn man unter der Lupe also ganz viele verschiedene Farben erkennen kann, ist es wahrscheinlich ein echter Tweed (nachmachen kann man das ja überall...). Wenn es bei einer Farbe bleibt, ist es eine Fälschung. Von diesen kleinen, aber feinen Details gibt es so unglaublich viele, die oft den ganzen Unterschied machen! Was wäre jetzt aber, wenn der*die Letzte, der das weiß, gestorben wäre, bevor ich es herausgefunden hätte?

 

Zu meiner Freude gibt es aber auch unglaublich viele neue Entwicklungen die mir wie postmoderne Wunder erscheinen. Die ich allesamt nicht erwartet hätte, als ich vor etwa 10 Jahren das erste Schwarzbuch Markenfirmen gelesen habe. Damals, mit allem Verstand und aller Vernunft, die man mit 18 so hat, habe ich mich gegen ein Studium für Modedesign entschieden, da ich an so einer Welt nicht teilhaben wollte. Heute bereue ich es sehr... Aber ich möchte meine Energie trotzdem all denen widmen, die sich gegen das lang bewährte System stellen und nach neuen, besseren Wegen suchen. Ob es nun handwerkliche Traditionen sind oder Anleitungen für Selbermacher oder kleine, aber feine Geschäfte. Eines ist sicher, und da sind sich auch alle Handwerker einig: Gebrauchsgegenstände herstellen ist etwas Besonderes; für Herz, Hirn und Anerkennung. Einen selbstgemachten, anfassbaren Gegenstand zu nützen und anderen zu präsentieren erfüllt einen mit mehr Sinn, Stolz und Selbstvertrauen als jede andere Arbeit.

 

 

ALTES WISSEN NEU VERWERTEN

 

Wenn ich so etwas höre und sehe, wie ich es gerade beschrieben habe, setzt sich in meinem Kopf irrsinnig viel in Bewegung. Ich würde so gern diese alten Webmuster und diese Färbetechnik verwenden. Meine Designs wären aber ganz anders als die Traditionellen. Versteht mich nicht falsch, ich schätze diese sehr. Aber irgendwie sind wir doch im 21. Jahrhundert gelandet und wollen nicht unbedingt hundert Prozent alles Alte wieder haben. Sondern das gute Alte bewahren und das gute Neue auch!

 

Ich bin nämlich ein großer Fan von Jersey (das Gestrickte: T-Shirts, Pullis, Jogginghosen, war's...). Diese Technik ist sehr neu, eine meiner Professorinnen (Uni) hat uns von den Anfängen des Jersey erzählt. In ihrer Jugend (gefühlt in den 1820ern :) gab es nur im Wesentlichen unbrauchbare Jerseys, weswegen die meisten Schneider*innen (mit viel Berufserfahrung) auch nach wie vor nicht so viel damit anzufangen wissen. Eine meiner liebsten selbstgenähten Jacken ist aber aus einem Fischgrat Jersey. Fischgrat ist eigentlich ein sehr altes Webmuster (ja, das sind die nicht dehnbaren Stoffe...) und sieht sehr elegant aus, da er den vorher beschriebenen Effekt mit den vielen Farben, die einen Farbton ergeben, verstärkt. Dieser Jersey ist aber der "lebende" Beweis dafür, dass man das alte Wissen auch in neuen Techniken einsetzen kann. Und dann insgesamt mehr von allem hat!

 

 

WENIGER TRENDS ABER MEHR GELIEBTES KAUFEN

 

Im letzten Frühling habe ich total gern "Queer Eye" (Netflix Neuerscheinung) angeschaut. Mein unangefochtener Held ist natürlich der Modedesigner, wie könnte es anders sein. Den finde ich ziemlich cool. Die weißen Turnschuhe habe ich mir auch gekauft und plötzlich nicht mehr verstanden, warum ich jemals Ballerinas tragen wollte. Turnschuhe haben nämlich den fantastischen Vorteil, dass sie den Fußballen und die Zehen nicht zerquetschen, weswegen man viel besser gehen kann. Meine Turnschuhe sind aber nicht weiß geblieben (oh Wunder). Ein zweites Mal in der Waschmaschine würden sie nicht überleben, weswegen ich sie gerade im Mistkübel mit Geschirrspülmittel eingeweicht und mit Küchenschwamm bearbeitet habe. Es sind jetzt beige Turnschuhe. Aber ich trage sie trotzdem, weil mir dabei die Absurdität der vielen Trends bewusst wird. Ich fühle mich sicherer bei der Entscheidung für hochwertige Produkte, die mir wirklich gut gefallen. Wie gesagt, die Regenjacke habe ich schon ewig, es ist die einzige, die ich jemals in ausgewachsener Größe hatte. Die Wolljacken werden mir auch noch lang erhalten bleiben. Aber ich will es so. Es ist keine Notwendigkeit. Sondern eine bewusste Entscheidung.

 

 

GRÜNE IDEEN UMSETZEN

 

Für mein Fotoshooting von meinen besten Produkten habe ich mit einer guten Freundin ausgemacht, dass sie mein Model ist. Da ich ihre Kinder, Jaron und Minou, aber sowieso mit dabei haben wollte, kam es etwas anders. Jaron wollte natürlich mit mir spielen und hat sich nicht einmal von Schlagzeugvideos ablenken lassen. Außerdem war schnell klar, dass die Fotos am Besten werden, wenn Nadia ihre Kinder ansieht. Mir wurde dabei wieder einmal bewusst, dass eine der wichtigsten Lektionen für mich Folgende ist: man muss sich flexibel an die gegebene Situation anpassen können und das Beste daraus machen. In diesem Fall ist das Ergebnis sogar viel besser geworden, als der theoretische Plan (er ist einfach so ein süßer, kleiner Knopf). 

 

Aber vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten Lektionen unserer Zeit: alle reden vom Klimawandel und von grüner Wirtschaft. In ungefähr jeder Dokumentation, die ich mir zu diesem Thema ansehe, geht es darum, dass wir zu viele Ressourcen verschwenden. Also halt echt mehr als dieser Planet hergeben kann. Nicht nur Erdöl in die Luft jagen, sondern auch Sand (Beton), Phosphor (Lebensmittel), Baumwolle (Kleidung) und noch unzählige mehr. Wissenschaftlich gesehen lässt es sich nicht abstreiten, dass wir etwas tun müssen, um diese Probleme zu lösen. Immer wieder taucht in diesen Dokumentationen der Vorschlag auf: Müll muss wieder verwertet werden. Besser wäre es noch die rauen Mengen von Müll zu vermeiden. Deshalb glaube ich dass Müll die wichtigste Ressource der Zukunft sein wird. Und bemühe mich so viel wie möglich davon selbst zu verwerten. Ich habe da nämlich so einige Ideen, die ihr hier entdecken könnt. Viel Spaß beim Nachmachen!

Freilich ist alles irgendwann am Ende angelangt und muss weggeschmissen werden. Aber es macht halt einen riesigen Unterschied ob ich das Ding nach einem Monat oder nach zehn Jahren durchgehender Verwendung wegschmeiße (und ja, ich besitze meine Regenjacke seit bald 16 Jahren, es gibt auch keine Chance, dass ich mir eine andere kaufe, sie sieht auch nicht so aus als wäre das nötig...). Aber um das umsetzen zu können braucht es Anpassungsfähigkeit und Flexibilität vor allem bei den Konsument*innen.

 

♥️

 

Ihr müsst euch für die teuren aber guten Produkte entscheiden und die kaufen. Wer anderer tut das nicht für euch. Leider. Aber ich sammle ja hier alle Vorschläge, die ihr dann ganz einfach mit ein paar Klicks umsetzen könnt! Es gibt schon so viele die sich mit diesen Problemen auseinandersetzen und ich wünsche mir, dass noch mehr Leute mehr grüne Ideen unterstützen. Das Einzige das jetzt noch überbleibt zu schreiben: kümmert euch um eure Textilien! Überlegt es euch gut, bevor ihr was kauft! Dieser scheinbare Überfluss macht einen doch nicht glücklich. Sucht euch schöne Dinge! Lest Marie Kondos Bücher! Und für den Rest gibt es ja diese Internetseite...! ^^

 

 

 Ich heiße Julia Bachleitner und beschäftige mich schon seit 16+ Jahren mit Mode. Diese Internetseite soll euch den Zauber vom selbermachen näherbringen oder ermöglichen faire, nachhaltige, coole Kleidung zu kaufen. Man muss nicht zu den billigen, großen Ketten gehen. Es gibt so viel anderes zu Entdecken!! Es ist auf dieser Seite aber alles erst am Entstehen.

 

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