17.4.2020: Selbstwertgefühl wieder aufbauen

 

Ich frag mich wem es gerade so geht wie mir. Ich sitz manchmal am Balkon und weiß nicht wie alles so weit kommen konnte. Wieso ich nicht mehr im Leben erreicht habe und doch schon so alt bin. Es gibt wasweißichwieviele Milliarden Menschen auf der Welt. Da werden schon ein paar dabei sein, die sich auch gerade verwirrt und müde fühlen. Und ein bisschen trotzig. Ich frag mich wo mein sonst so zuverlässiger Humor wohl hingeraten ist. Damit hat sich so einiges schon bewältigen lassen.

 

Und dann fallen mir all die Sänger und Bands ein, die auch schon über dieses Thema gesungen haben. Und Künstler. Und Kabarettistinnen. Die müssen doch wissen, wie es mir geht. Die müssten mir doch helfen können. Einen, den ich schon immer mal gern kontaktieren wollte ist Hans Söllner. Seit Jahren hängt bei mir im Kasten ein T-Shirt mit folgendem Zitat drauf: "Scheiß drauf, steh auf, stell di her - sei wieder wer!" Wer gerade das Gefühl hat niemand zu sein: das stimmt nicht. Wir waren alle mal Kinder, Jugendliche, Schüler, Lehrlinge oder Studenten, sind hoffentlich nach wie vor Freunde für jemand oder Familie für andere. Also sicher nicht niemand! Konstantin Wecker würde ich genauso gern treffen. Der hat sowieso großen Einfluss auf mich. Aber auch Eric Clapton singt davon, dass einen keiner kennt, wenn man total down ist und am Boden liegt. Janis Joplins Texte zeugen alle von wenig Selbstwert. Ruth Moody sagt, dass man so tun kann als wäre nichts aber irgendwann in der Nacht fängt es doch an rauszukommen. Xavier Naidoo meint: wenn du so weiter leben kannst, erlebst du es nie - dein eigenes Seelenheil [...] mach dir endlich Licht - mach es endlich hell!" Black Keys meinen, dass sie in der Nacht alleine weinen. Grönemeyer singt: lache wenn es nicht zum weinen reicht!"  Ich bin mir sicher, die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Wenn jemand so einen Text schreibt, kann man sich sicher sein, dass er*sie diese Situationen schon erlebt hat.

 

Meine Mutter hatte da mal so eine Postkarte auf der stand: "support living artists". Ich hab sie noch vor Augen. Ich kann euch deshalb nur zu den offiziellen Seiten verlinken, es sind alles Künstler, die auch von was leben müssen. Der Punkt ist, dass sie alle es irgendwie geschafft haben wieder auf die Füße zu kommen. Also gibt es einen Weg. Aber ich bin wahrscheinlich auch nicht die einzige, die nach diesem Weg sucht. Oder gesucht hat. Jetzt schreib ich ihn mal für mich selbst zusammen. Aber ich schreib es nicht nur für mich. Ich hoffe auch anderen damit helfen zu können. Vielleicht nur indem andere verstehen, wie es jemand geht der kein Selbstwertgefühl hat.

 

was fladert es dir?

Nichts kann einem das Selbstwertgefühl so sehr rauben wie das Gefühl der Nutzlosigkeit. Ich spreche hier von Arbeitslosigkeit. Wenn man es auch nicht schafft irgendwo eingestellt zu werden. Weil man das Gefühl hat eh nutzlos zu sein. Und sich nicht verkaufen kann. Das Gefühl hat, keine brauchbaren Eigenschaften zu haben. Das ist ein Teufelskreis. Je öfter man nicht eingestellt wird, desto übler wird das Gefühl.

Jede*r braucht eine sinnvolle Aufgabe für das Leben. Und eine Gruppe von Menschen zu der man gehört. Die beste Zeit hatte ich in der Studenten-Hausgemeinschaft meines damaligen Freundes. Und ich denke alle anderen dort auch. Ich habe eh Fotos und ein paar Anekdoten auf Facebook gepostet. Es war so etwas wie Ray Oldenburg beschreibt: ein gemeinschaftlicher Ort, bei dem jede*r willkommen ist. Und alle viel Blödsinn gemacht haben. Wie etwa versuchen mit einem Wagenheber die Heizung zu entlüften. Es hat nicht funktioniert. War aber viel Spaß.

Im Gegensatz dazu gibt es aber immer Menschen, die einem viel Kraft kosten. Weil sie ständig nur negative Sätze von sich geben. Gerade gestern bin ich im Zug hinter einer gesessen, die die ganze Zeit nur geschimpft hat und unzufrieden war. Davon geredet, dass sie dummerweise in Heimquarantäne bleiben muss. Corona. Und dem irgendwie ausweichen wollte. Zwanzig Minuten lang!! Aber ihre Maske - IM ZUG! - nicht getragen hat. Am liebsten hätte ich ganz laut irgendeine nervige Musik aufgedreht, damit sie darüber auch schimpft. Dann hätte ich nur gesagt: mir geht Ihr nerviges Gequatsche schon so auf den Geist, ich halte DAS nicht aus! Pech gehabt!

Andere negative Menschen sind noch schlimmer. Die, die einem nix zutrauen, mein ich. Die sich einem in den Weg stellen und behaupten, dass man etwas nicht kann. So überkritische Typen. Die einem irgendetwas aufzwängen, das man nicht ist. Davon habe ich schon echt zuviele getroffen. Und sicher selbst auch meinen Teil dazu beigetragen! Aber dann soll ich den Schein wahren, dass eh alles gut ist. Und versuchen jemand zu sein, die ich nicht bin!

 

was passiert?

Dafür muss ich dann meine Gefühle alle runterdrücken und einsperren. Meine Ziele viel zu hoch ansetzen. Damit kann ich mich dann super unter viel zu viel Druck setzen und wahnsinnig viel negativen Perfektionismus entwickeln. Also das, wo man sich selbst ständig grundlos kritisiert und alles immer nur noch besser machen will. Obwohl es eigentlich eh gar nicht mehr besser geht. Solche Verhaltensweisen rauben wahnsinnig viel Kraft. Und das Selbstwertgefühl wird davon auch nur weniger.

Davon entwickelt man dann auch noch wahnsinnig viel Angst, die schier unüberwindbar erscheint. Angst  kann ganz schön viel. Sie kann einem den Schlaf rauben. Man kann blind vor Angst sein. Blöd, wenn man so taub ist wie ich. Da kann man es sich wirklich nicht leisten blind zu sein. Sie kann Panikattacken auslösen. Von dem abbringen, was man tun will. Davon abhalten, die Wahrheit zu sagen. Unsicher und x-beinig vor anderen stehen. Einen dazu bringen sich klein zu machen, weil man sowieso nicht glaubt etwas schaffen zu können. Sie kann die Nerven zum Flattern bringen und einen davon abhalten klar zu denken. Dann redet man nur wirres Zeug daher. Oder stottert. Bleibt erfolglos und gerne unsichtbar. Gibt allen anderen immer den Vorrang. Versucht andere Gründe für das Versagen zu finden als Angst. Wird ziemlich abgestumpft und gefühllos weil sie alle anderen Gefühle hinter sich einsperrt. Das verursacht dann auch Einsamkeit.

 

was bringt es zurück?

Aber ich habe den Vorsatz nicht zu viel zu jammern. Nur so viel wie nötig. Vielleicht ein bisschen mehr. Nur um die negativen Gefühle mal restlos rauszulassen. Das sollte man nämlich tun und als Kinder haben wir das auch alle gekonnt. Und dann wird es Zeit nach Wegen zu suchen, die einen wieder aus dieser Negativität rausbringen. Hypno-Therapie hilft da sehr viel. Aber es geht auch um ganz einfache Dinge wie in der Früh den Kaffee zu genießen, oder wasauchimmer ihr in der Früh trinkt. Dabei in die Sonne zu schauen und die Augenlider schließen. Nicht an alles mögliche denken, sondern einfach nur den Kaffee trinken. Viel Wasser trinken ist auch immer gut. Sich um Pflanzen oder Haustiere kümmern und sich freuen, dass es ihnen so gut geht. Eine heiße Dusche mit wundervoll riechender Seife (Rosen!) genießen und Entspannungsübungen machen. Schönheitspflege regelmäßig betreiben - da gibt es sicher auch genug, das Männer tun können. Ein türkischer Friseur kann euch da sicher weiterhelfen! Alles sauber und ordentlich halten. Sich gesund ernähren ohne sich vom Fernseher oder sonstwem von gutem Essen ablenken zu lassen und Pfefferminztee trinken. Dankbar sein für das, was man hat. Meditieren lernen. Ein bisschen Sport machen oder zumindest Spazierengehen. Bei mir war es lang spazieren kriechen. Gefühlt. Dieses neuerdings legale CBD hilft echt auch sehr gut. Und es gibt es auch als Zuckerl! Für alle Nichtraucher und Ex-Junkies! YAY! Es scheint zwar paradox, hilft aber wirklich gut für das Selbstwertgefühl, weil man sich mit all diesen Aktivitäten beweist, dass man sich was wert ist. Und ist euch aufgefallen: das kann man alles ganz allein auch machen und es kostet nur sehr wenig Geld.

Das Wichtigste dabei ist es eine Routine werden zu lassen. Und geduldig mit sich selbst sein, dann ist es halt jetzt so. Es mag zwar nervig sein, wenn alles nur ganz langsam geht. Aber wenn ich mich darüber ärgere, dass alles nur so langsam geht, verbrauch ich Energie für nix. Und werde dadurch nur noch langsamer. Ich darf mich auch nicht von anderen unter Druck setzen lassen.

Die ganzen guten Dinge tun wird eh ziemlich schnell zur Gewohnheit, nach einem Monat hab ich gar nicht mehr so viel an diese Liste gedacht.

Und allen, die sich trotzdem total emotionslos fühlen, kann ich das Boxtraining nur schwer empfehlen. Irgendwann - beim hundertsten Schlag in den Boxsack oder so - geht das Ventil auf. Und alles kommt raus. Eh nicht auf einmal - mehr so wie ein Luftballon, der ein kleines Loch hat. PFFFFFF...... Heute bin ich an dem Punkt an dem ich mich total leer fühle. Ausgeräumt. Aber auch aufgeräumt. Platz für Neues!

 

was geschieht dann?

Also jetz erstmal zurück zu diesen überkritischen Menschen. Nervensägen. Die einem ständig das Gefühl geben nichts gut genug machen zu können. Die kann man ganz einfach abwehren. Und damit auch die Angst vor der Ablehnung durch andere überwinden. Die erste Reaktion sollte immer sein: danke für diese Mitteilung. Aber schon mit einem belustigten Unterton. Die zweite ist: könntest du das nochmal wiederholen? Die meisten machen dann eh einen Rückzieher. Wenn nicht kann man sie fragen, ob sie darauf aus sind dass ich mich schlecht fühle? Wenn sie dann noch immer keine Ruhe geben sagt man so was wie: das wird nicht funktionieren, weil ich diesen Kommentar nicht an mich ran lasse. Und schlimmstenfalls muss man sie halt echt darauf hinweisen, dass kritische Menschen die meiste Kritik an sich selbst üben. Und sie damit nur bezeugen, wie unzufrieden sie selbst sind.

Aber das Praktische daran ist, dass man auch den inneren Quälgeist so relativ schnell abstellen kann. Manche dieser überkritischen Meinungen setzen sich nämlich richtig arg im Hirn fest. Statt zuviel Alkohol zu trinken oder zuviele Zigaretten zu rauchen oder zuviel Schokolade zu essen oder zuviel Kram einzukaufen, kann man diese fünf Kommentare verinnerlichen. Und das nächste Mal dann die Liste abhaken. Bis das Hirn nicht mehr krampfhaft nach Fehlern sucht. Sondern einfach nur sagt: du musst deine Stimmung erst mal verbessern, sonst will diesen Text wahrscheinlich keiner lesen...? Und beschließt einen Spaziergang am Salzachsee anzustarten. Wo auf einmal ganz viele zufriedene Leute rumsitzen die irgendwie total erholt wirken von den Corona-Ferien. Diese Karotten im Kühlschrank werden dann auch noch schnell zu einem guten Salat mit Creme Fraîche gemacht, damit es nicht vegan ist. Und die Auswahl der Musik ändert sich zu Ousmane Toure. Ein gar wundervolles Album ist "Avenue du Monde". Leider verstehe ich den Text nicht. Aber die Melodien sind so erfrischend anders als alles Europäische, da verbessert sich meine Laune immer. Statt also wiedermal zu erstarren und nichts zu tun schreibe ich weiter als wäre nix gewesen.

Freilich gibt es auch Kritik, die angebracht ist und stimmt. Jede*r hat Schwächen. Aber dann muss ich einfach cool bleiben, mal einen Kaffee trinken und mir einen Weg überlegen, dies zu ändern. Manchmal kommt es aber vor dass Kritik stimmt und es trotzdem keinen Sinn hat etwas zu ändern. Keinen Fehler sollte man haben, hat meine Oma immer gesagt. Oder seine Fehler einfach als solches akzeptieren. Man kann aus Schwächen keine Stärken machen, hat mein liebster Coach gesagt.

Die Ängste kann man auch nur überwinden indem man übt. Man kann alles lernen. Muss es nur tun. Nein, das hört sich zu leicht an. Aber es ist tatsächlich so, dass zu hohe Erwartungen nichts bringen. Es ist doch egal, was dann dabei rauskommt. Hauptsache man hat es probiert. Es muss nicht beim ersten Mal klappen. Auch nicht beim zehnten. Wer sagt, dass es beim zwölften Mal hinhauen muss? Keiner. Nur ich. Und wenn es einfach keiner mitbekommt, dass ich etwas hunderttausendmal probiert habe bis es funktioniert? Viele Dinge haben wir schon ganz oft gemacht, bis es funktioniert. Oft in Begleitung oder von wem anderen gelernt. Ich darf nur nicht vergessen, dass alles seine Zeit dauert, bis ich es kann. Mein Boxtrainer hat mich da so oft darauf hingewiesen, bis es ihn selber genervt hat, dass er mich darauf hinweisen muss. Jetzt sitzt es. Und wenn man es runterbricht ist es wahrscheinlich nur ganz wenig vor dem man sich echt grundlos fürchtet. Da gibt es immer einen Weg das zu üben. Und parallel zudem, das man längst lernen sollte, kann man ja auch etwas anscheinend sinnloses lernen. Wie Hosen nähen. Nur um einen Trainer zu haben, der einem wiedermal Schritt für Schritt erklärt, wie man etwas Neues lernt.

Und dann ist da noch was. Ich weiß ganz genau, was ich zu tun habe, um meine Ziele zu erreichen. Aber etwas blockiert mich. Es sind die Erwartungen. Wenn die zu hoch sind, funktioniert nichts. Aber Listen schreiben, Deadlines setzen und genaugenommen machbare Pläne formulieren hilft da. Die Betonung liegt auf machbar. Ich darf mich nicht überfordern und  alles gleichzeitig schaffen wollen. Diese Listen sollten auch Kästchen haben, die kleine grüne Häkchen bekommen. Mit Datum. Oder einen Wochenplan. So kann man immer etwas finden, auf das man auch stolz sein kann. Also auf all die Häkchen. So sieht man seinen eigenen Erfolg. Etwas, das ein  Handwerker ständig hat. Aber total praktisch ist. Vielleicht sind sie deswegen so zufrieden, diese Handwerker. Wenn ein Ziel recht hoch ist und irgendwie unerreichbar erscheint kann man es in lauter kleine Abschnitte unterteilen. Also im Wesentlichen immer von einer Kreuzung zur nächsten fahren und sich bei jeder Kreuzung über so ein grünes Häkchen freuen. Oder jede E-Mail einzeln auflisten und Häkchen machen. Jede Antwort auch in der daneben liegenden Spalte. Hauptsache den Erfolg sichtbar machen und zwar jeden Abend.

Und dann gibt es da noch die Möglichkeit sich einen Avatar zu erfinden, wie es bei Computerspielen üblich ist. Einen Charaktär, der*die man selbst gern wäre. Anscheinend gelingt es den Computerspielern dann immer mehr wie ihr Avatar zu werden. Das werde ich als nächstes ausprobieren. Momentan belustigt mich aber noch ein Spielchen das ich die letzten Tage immer wieder gemacht habe. Es ist eine dieser "Wenn.... dann..." Konstruktionen, wie wir sie in Latein gelernt haben. If clauses, hieß es auf Englisch. Wenn ich mich attraktiver als eine Semmel fühlen würde, würde ich _____ tun. Es ist wirklich eine üble Krise, in der ich gerade noch stecke. Wie Treibsand. Aber ich komm raus. Mein Hirn denkt dann oft auf Englisch und auf einmal kommt mir in den Sinn: if I'd feel more attractive than an empty bagel... well you are a sweet person, make it a doughnut! Pause im Hirn. Das gefällt mir! Ein Donut ist tatsächlich sehr attraktiv! Jetzt muss ich selber lachen. Es funktioniert gut. Der Satz muss nur umgeschrieben werden: um mich wie ein Donut zu fühlen, muss ich _____ tun.

 

♥️

Und dann ist da noch das mit dem selbstbewussten Auftreten. Das ist so das schwierigste von allen für mich. Leider liegt es nämlich ganz und gar nicht an der Kleidung. Darin wäre ich gut. Nein, das geht nur über Sport. Also Boxen. Oder Klettern. Alles mögliche, das die Rückenmuskulatur stärkt. Sich ordentlich vorbereiten und sich klar sein, was man will. Ruhe bewahren. Meditieren. Und alle anderen, vorher erwähnten Schritte im Kopf behalten. Alles schön der Reihe nach zur Routine werden lassen.

 

ABER MAN KANN NICHT AN EINEM TAG DIE WELT NIEDERREISSEN.

 

 

 

Diese Seite soll ein Wegweiser für faire und nachhaltige Kleidung sein. Außerdem will ich euch den Zauber vom selbermachen näherbringen. Es gibt so viel anderes zu Entdecken!! Es ist auf dieser Seite aber alles erst am Entstehen. Und das Motto ganz oben gilt vielleicht am meisten für mich selbst.

 

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