8.4.2020: HOPE.

 

Vor ein paar Wochen ist mir mein Auto eingegangen. Die Reparatur kostet allein 800 Euro und neue Reifen braucht es auch. Nun, für ein Auto mit Baujahr 2001 eh erstaunlich. Aber diesmal habe ich das Geld nicht und viele sagen es würde sich auch nicht rentieren. Als mich meine Mutter gefragt hat, wie es mir damit geht, habe ich im ersten Moment nicht gewusst was ich sagen soll. Dann habe ich gemeint, dass ich eigentlich eh immer ein Auto wollte in dem man auch schlafen kann..!!!

 

Mit der Zeit ist dann eine Frage in meinem Kopf immer lauter geworden: warum kaufst du dir auch einen Corsa, wenn du immer einen T4 wolltest? Also typisches Frauenauto vs. VW-Bus. Oder weiter gesteckt: warum vergönnst du dir nicht das, was du willst? Sondern tust etwas, das vernünftig erscheint? Seitdem ich 2014 dieses Auto gekauft habe bin ich immer mehr in die Richtung gegangen, die ich will. Nicht ganz freiwillig. Eigentlich wollte ich auch sehr gern vernünftig sein. Aber irgendwie haben ein paar Leute gemerkt, dass das nicht mein Weg ist. Und jetzt? Ich habe viel gelernt in diesen Jahren. Aber alles der Reihe nach.

 

 

schönreden

Als erstes muss man mal herausfinden für was der "Corsa" symbolisch steht. Wörtlich auf mein Auto bezogen weiß ich, dass ich es sehr liebe. Aber warum habe ich dieses Auto gekauft? Oder warum mache ich diese Arbeit? Weil es ja eh Vorteile hat. Oder weil es ein sicherer Arbeitsplatz ist, wie viele Lehrer über ihre Arbeit sagen. Oder weil ich nicht weiß was ich sonst machen soll. Oder weil ich ja Kinder hab die zu Weihnachten coole Geschenke bekommen sollen oder so.

Aber gibt es einen vernünftigen Grund so zu handeln? Oder ist alles scheinbar Vernünftige doch nur ein Vorwand sich nicht an das zu wagen, was man wirklich will? Es gibt schon so selbstzerstörerische Gedanken und Verhaltensweisen, die einen ganz unbewusst vom Erfolg abhalten. Viele meiner Freunde (und ich) können sich gar nicht von der Vorstellung lösen, dass sie ihre Designobjekte sowieso nie verkaufen können. Warum? Weil die Billigprodukte und der Preiskampf einem sehr viel Wind aus den Segeln nimmt. Außerdem gibt es die Geschäfte noch gar nicht lang, bei denen ich mich fragen traue ob sie meine Rucksäcke verkaufen würden. Märkte gibt es schon auch. Aber die gewöhnliche Künstlerin glaubt dann halt trotzdem nicht, dass sie da was verkaufen kann. Und wird dann von der Organisatorin eines dieser Märkte ausgelacht (mittlerweile schmunzelt sie selbst bei der Erinnerung an das Telefonat).

Dahinter steht eine Angst vor Ablehnung. Die kann man nur durch eine Strategie überwinden: Versuch und Irrtum bzw. aus Fehlern lernen. Leider kam diese Unterrichtsmethode in meiner Lehramts-Ausbildung nie konkret vor. Genauso häufig lernt man es wahrscheinlich in der Schule. Durch diese Methode kann man aber ein exzellentes Produkt kreiren, das sich dann gut verkaufen wird. Dabei dürfen weder Funktionalität noch Schönheit zu kurz kommen. Es passieren viele Fehler. Das kann frustrierend sein. Deshalb darf ich trotzdem nicht am halben Weg dahin aufgeben! Und auch nicht kurz vorm Ziel die Panik bekommen! Ist mir beides schon öfters passiert. Um ruhig zu bleiben hilft es sich häufig am Tag bewusst auf das Unmittelbare zu konzentrieren. Den Kaffee, den man gerade trinkt. Oder das Lied, das man gerade hört. Die Vorstufe zur Meditation.

 

raki

Ich habe einen Freund bei dem alles so leicht erscheint. Deshalb red ich auch gern mit ihm. Als ich gemeint habe, dass ich diesen Text unbedingt schreiben muss, hat er nur gesagt: ja dann kaufst du dir also jetzt einen T4!! Go out and get it!!! Aber das ist auch der Typ, der den einzigen Parkplatz direkt vor dem Café bekommt, in dem man ihn treffen wollte. Es gibt da ein Lied - "Raki" - das dieses Phänomen beschreibt. Manche Menschen haben einfach Glück und weil sie davon überzeugt sind, dass sie Glück haben, passiert das immer häufiger (die Interpretation steht in der CD-Hülle). Beneidenswert!

Eine von zwei Frauen, die ich als meine Mentorinnen bezeichnen würde, hat mir das schon vor Jahren gesagt: Es ist immer die Realität, die man sich selbst schafft. Sie hat sich über Hypnotherapie sehr vieles beigebracht, was ihr Psychoanalyse nie gegeben hat. Sie hat mich gefragt was es bringen soll ständig den Kaffeesatz aufzurühren. Und sich so noch viele Jahre im Leben herausgeschlagen. Leider ist sie trotzdem im letzten Herbst an Krebs gestorben, was mich sehr hart getroffen hat. Ich hab ihre Einstellung zum Leben leider nie so verinnerlicht - bis ich Marisa Peer auf YouTube gefunden habe. Die muss man sich einfach selbst anhören, das kann ich gar nie so überzeugend wiedergeben. Die Essenz davon: verwende bessere Worte um dein Leben zu beschreiben - dann hast du auch eine bessere Realität.

 

eine andere perspektive

In Bezug auf meine Situation ist es ungefähr so: Meine Künstler-Freunde mögen zwar davon überzeugt sein, dass wir nie etwas verkaufen können. Aber meine Handelsakademie-Freunde waren schon sehr beeindruckt von meinen Fähigkeiten. Für mich ist es also wichtig, alles aus der Perspektive der HAK zu sehen. Und deshalb finde ich es auch so extrem wichtig anderen Menschen positive Botschaften mitzuteilen. Woher sollten sie sonst wissen, dass andere Menschen das ganz anders sehen?

Dadurch habe ich ein gutes Bild davon, was ich kann. Ich habe viel mehr Vertrauen in die Rückmeldungen von anderen, als in meine eigenen. Freilich sind alle von Subjektivität betroffen. Aber wenn mir Freunde sagen, dass sie meinen Schreibstil mögen, ist das durchaus etwas worüber ich mich freue. Wenn sie in den Texten einen roten Faden sehen bin ich sehr zufrieden. Meine Notizen sind nämlich oft das reinste Chaos und ich frage mich, wie ich da nur jemals Ordnung reinbringen soll...?! Wenn danach eine Ordnung drin ist, weiß ich, dass ich es gut gemacht habe. Und beim Nächsten wird es auch wieder funktionieren!

Ich hab im Leben mehr über Psychologie gelernt, als ich jemals wissen wollte. Und oft gehört, dass man sich nur selbst helfen kann. Erstaunlicherweise vermuten viele hinter der Meinung von anderen sofort Kritik und gehen in die Defensive, suchen Wege sich davon nicht angreifen zu lassen. Oder man sucht nach der Motivation und den Gründen, warum jemand etwas sagt oder tut. Man versucht das herauszufinden und verbohrt sich dabei aber immer tiefer in einer Analyse, die nirgendwo hin führt. Ich bin da mittlerweile total dagegen. Vergesst das. Interessiert niemand. Ich rede hier von positiven Botschaften, die man anderen überbringen soll, damit es ihnen besser geht. Weil man dem anderen eine Freude machen will. Weil postive Botschaften zu besserer Laune führen. Zu einem besseren Selbstbild auch. Zu mehr Selbstvertrauen. Und in den meisten Fällen bekommt man dann von den anderen auch eine bessere Rückmeldung. Ihr denkt ihr macht das eh oft genug? Gibt es genügend positive Botschaften auf der Welt? Ich glaub nicht!

Durch diese Art der Rückmeldung habe ich eine gute Orientierung bekommen, was für mich Sinn macht. Ich seh mich ja selbst nicht. Nur im Spiegel. Und andere Menschen sind auch ein Spiegel. So weiß ich, was ich kann. Was mir Spaß macht und gut tut muss ich eh selbst herausfinden. Was ich will auch. Genügend Stoff um darüber lang nachzudenken. Aber da hat mir eine Freundin eine gute Methode empfohlen: Hand-aufs-Herz heißt es. Leg die Hand auf dein Herz und frag es was es will? Meins will eben einen VW-Bus und wild campen. Warum? Weil es schön ist bei Sonnenaufgang auf einem Berg Vögel zwitschern zu hören. Weil es Zen ist, wenn man nur ein Bett und fünf Kleidungsstücke mitnehmen kann. Weil ich mich da auf das Wesentliche fokussieren kann. Meditieren. Braucht ihr mehr Gründe? Mir fällt nicht mehr ein! Also muss das genügen... Es genügt! Seltsames Wort. Gibt aber kein Besseres!

 

Mut (scho wieder...)

Sobald man dann weiß, was man kann und will braucht es Mut um das durchzuziehen. Klar kann ich die Küche putzen. Dafür brauch ich auch keinen Mut. Das muss ich einfach nur machen. Ich kann sicher auch eine sehr gute Sekretärin werden. Dafür brauch ich auch keinen Mut. Aber es gibt noch eine weitere Bedeutung für das Wort können. Und die ist nicht so offensichtlich und ich tu mir schwer es zu beschreiben. Diese Bedeutung hat sehr viel mit inneren Vorstellungen zu tun. Und mit Blockaden, die mich davon abhalten etwas zu können. Das sind Botschaften, die ich zu oft gehört habe. Zuviel Pessimismus, der sich im Hirn festsetzt. Zuviel Angst vor Risiko, die andere auf mich übertragen.

Es gibt auch Dinge die ich nicht kann. Und das ist in unserer Gesellschaft schwer dazu zu stehen. Ich kann nicht vor großem Publikum sprechen. Mein Nervensystem überhitzt da total. Deshalb mache ich es nicht. Ich kann auch nicht dabei zusehen, dass die Wirtschaft immer mehr in Richtung Großkonzerne, die alle Macht haben, tendiert. Und kleine Geschäfte nur ganz schwer Fuß fassen zu scheinen. Zum Glück höre ich von vielen kleinen Geschäften. Denen möchte ich gern behilflich sein. Ich kann also keine Reden halten. Aber ich war immer gut darin Texte zu schreiben. Also kann ich meine Botschaft doch an alle überbringen. Nur halt nicht indem ich Videos drehe oder Politikerin werde. Sondern eher indem ich ein Buch schreibe. Oder ein Magazin. Oder Journalistin werde. Das erscheint schwierig? Deshalb die Überschrift. Um solch schwierige Aufgaben angehen zu können braucht es Mut. Und Stolz. Sei stolz auf das, was du machst. Zeig den anderen, was du kannst. Wer du bist. Was du machst. Da bin ich an dem Punkt wo ich die andere Einstellung oder andere Perspektive zu dem was ich mach dringend brauch. Um überzeugend zu sein braucht es Mut und Selbstvertrauen. Oder Hypnotherapie. Und einen VW-Bus. Eine Liste von Meilensteinen, die ich der Reihe nach abarbeiten kann. Immer wieder einen Blick auf das abgewaschene Geschirr, wie meine Lieblingsprofessorin gesagt hat. Sie meint, dass man immer nur das "dreckige Geschirr" sieht, das abgewaschene steht ja schon wieder im Regal. Es ist aber immer wieder wichtig, das zu sehen, das man schon geschafft hat. Wo schon grüne Hakal danebenstehen.

 

♥️

Ja, ich hab den Aschenbecher im Bild mal als Aschenbecher verwendet. Und es erschien mir unmöglich mit dem Rauchen aufzuhören. Aber das ist es nicht. Vor ein paar Wochen hab ich gemerkt, das ich seit eineinhalb Jahren keine Zigarette mehr geraucht habe. Das hat mich in Partystimmung versetzt.  Als ich an meiner früheren Trafik vorbeigefahren bin, hab ich im ersten Moment gar nicht kapiert, warum die in Zeiten von Corona offen haben dürfen. Dabei hätte die Raucherin in mir wahrscheinlich eher auf viele Lebensmittel verzichtet, als auf Zigaretten. Als ich drin war hat mich der Besitzer ziemlich verwundert angesehen. Hast du nicht früher Tschick gekauft stand in seinem Gesicht. Ja, hab ich. Aber heute brauch ich nur ein Heft.  Und jetzt noch mal: ich glaub der Grund warum ich das geschafft habe war meine Schwester und ein paar andere. Weil ich es nicht aushalten würde sie zu enttäuschen. Weil die vielen neidvollen Rückmeldungen von anderen Rauchern mir viel Kraft und Durchhaltevermögen gegeben haben. Weil der Hansen gemeint hat, dass ich sonst in Zukunft auf dem Schotter-Scherbenhaufen neben der Werkstatt schlafen müsste.

 

Heute hab ich einen anderen Künstler kennengelernt, der seinen Aschenbecher auch als Spitzer verwendet. Er macht ganz wunderbare, lustige Bilder von der Halleiner Altstadt. Und zeigt sie auch mit einigem Stolz und sehr ansteckender guter Laune! Es war eine richtig erfreuliche Bekanntschaft, wie es eigentlich nur unter Handwerkern möglich ist. Jemand, von dem ich einiges gelernt habe. Ohne ein offenes Herz und Neugier für andere wäre mir diese glückliche Fügung nicht passiert. Sein Geld hat sich der Künstler früher als Tapezierer verdient - er hat also mit der Herstellung von Wohnraum-Textilien sein Leben bestreiten können. Ein Beruf, den auch ich mit Freude machen würde. In Zeiten von ehschonbekannten Möbelriesen leider eher im Bereich des Unmöglichen angesiedelt. Schwierige Zeiten. Diese Ausstrahlung der Zufriedenheit, die nur Handwerker haben, fehlt. Aber versuchen wir das Beste aus dem Leben zu machen!

 

 

DIES IST NICHT DAS ENDE (DER WEISHEIT)!

 

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Diese Seite soll ein Wegweiser für faire und nachhaltige Kleidung sein. Außerdem will ich euch den Zauber vom selbermachen näherbringen. Es gibt so viel anderes zu Entdecken!! Es ist auf dieser Seite aber alles erst am Entstehen. Und das Motto ganz oben gilt vielleicht am meisten für mich selbst.

 

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