Potlatch oder second hand

 

Drei Sprachen in einer Überschrift. Das hätte ich nicht geglaubt, dass mir das einmal passiert. Potlatch ist ein Begriff aus einer indianischen Sprache - Chinook - und heißt geben. Dies bezeichnet eine Winterzeremonie der Stämme im Nordwesten Amerikas und Kanada (Pazifikküste). Dabei ging es darum mit möglichst wertvollen Geschenken in der sozialen Rangordnung aufzusteigen. Natürlich wurde dabei auch eine Woche lang gefeiert und getanzt. Ein Buch in dem das besonders nett beschrieben wird und in dem besonders eindrucksvolle Bilder zu sehen sind ist "Die Indianer Nordamerikas - Kunst, Traditionen und Weisheit der amerikanischen Ureinwohner." Gerade die Textilien faszinieren mich. Ohne Ende.

 

Der Punkt ist aber, dass ich so etwas ähnliches auch schon zweimal gemacht habe. Nach dem Unterrichtspraktikum war ich komplett ratlos was ich denn nun mit meinem Leben anfangen soll. Als ich nach Klarheit gesucht habe, habe ich auch meine vielen Textilien aussortiert. Ich dachte, wenn ich die Textilien schaff, geht das andere auch. Als ich bemerkt habe, dass da irre viele brauchbare Kleidungsstücke dabei sind, habe ich beschlossen sie alle an TAO zu spenden. Ja, bei jemand mit einer so auf Handwerk fokussierten Ausbildung wie es das Textile Gestalten nun mal ist, ist es gar nicht selbstverständlich, dass alle Textilien (noch immer) fertige Produkte sind, die man verwenden kann. Dabei ist mir dieses Potlatch wieder in den Sinn gekommen. Ich dachte, wenn ich möglichst viele Kleidungsstücke spende, gibt mir das Universum eine Idee für mein Leben zurück. Es muss ein ganz schöner Anblick gewesen sein, als ich mich da mit zwanzig Kilo Kleidungsstücken die Treppen hochgekämpft habe. Das war der Anfang dieser Internetseite. Ohne mein Potlatch gäbe es sie gar nicht. Die zweite üble Krise war die Trennung von meinem Freund vor etwa eineinhalb Jahren. Nach zehn Jahren Beziehung fällt es ganz schön schwer diese aufzugeben. Ich habe doch sehr viel Zeit mit ihm verbracht und sehr viele gute Momente mit ihm gefeiert und schlechte Momente auch geteilt. Aber es ist besser so. Sicherheitshalber habe ich noch einmal ausgemistet und mir gewünscht, dass ich die Trennung gut verkraften kann. Diesmal ging alles an die WABE. Es hat wieder funktioniert.

 

Der Sinn von Potlatch ist nicht nutzloses, kaputtes Zeug wegzuwerfen. Und schon gar nicht neues nutzloses Zeug wieder rein zu schleppen, um es dann erst recht wieder wegzuwerfen. Die Dinge, die man verschenkt sind brauchbar und wertvoll. Sie bedeuten einem oft auch etwas, sind aber doch irgendwie nur Ballast. Sie symbolisieren oft Fehlentscheidungen für einen selbst. Jemand anderes kann diese Fehlentscheidung aber nicht sehen. Für den ist es nur erfreulich ein teures Kleidungsstück geschenkt zu bekommen. Oder beim Second-Hand-Laden zu finden. So verwandle ich etwas, das mir nur Ärger bereitet, in etwas, das jemand anderes Freude bereitet. Und zudem sind die verlinkten Läden Sozialhilfeprojekte, die gestrandeten Menschen die Chance geben sollen wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Die Marie Kondo Bücher habe ich übrigens erst nachher gelesen. Sie waren aber auch sehr hilfreich. Es war ja immernoch genügend Kram über. Marie Kondo sagt, dass man nur die Dinge aufheben darf, die einen glücklich machen. Auch hier muss man das Buch einfach lesen. Es ist wirklich sehr toll.

 

Diesmal brauche ich Kraft zum Weitermachen. Oder mehr Liebe. Beides möglich. Jedenfalls bin ich noch immer ziemlich müde, obwohl ich schon sehr gut Ruhe geben kann. Ich habe mich immer zu sehr gestresst ob ich eh alles richtig mache und ob ich eh genügend Leistung erbringe. Das hat dazu geführt, dass ich ständig alles hinterfragt habe, und ich mich immer mehr im Kreis gedreht habe. Man kann sich vorstellen, dass mich das ganz schön fertig gemacht hat. Ende Jänner war ich so weit alles aufzugeben. Aber dann kam Corona und es bleibt mir eh nix anderes als weiterzumachen. Zum Glück passt jetzt echt alles und es gibt nix mehr zu hinterfragen. Dieses Werk ist gut. Es kann was. Es muss bekannt werden. Meine selbst-designten Kleidungsstücke müssen gegen Geld raus. Die Rucksäcke und Taschen auch. Mein Wunsch ans Universum ist also formuliert. Sobald der HAI oder die Caritas wieder aufsperren werde ich weitere Kisten spenden. Das Lager ist ja nach wie vor groß genug. Und ein Projekt entwickeln, wie man aus alter Kleidung praktische Patchworkdecken nähen kann, denn die Flut der "Altkleider" ist groß. Und in der OASE mithelfen. Und diesmal werde ich nur mehr hochwertiges Material reinlassen. Feine Wolle kommt mir da in den Sinn. Und die Sonnenschirm-Planen. Und wasserdichte Reißverschlüsse. Kein Kleinkram mehr.

 

♥️

 

Ich hoffe damit etwas Gutes zu tun. Anderen Freude bereiten zu können. Mir selbst Klarheit zu verschaffen. Ist eh eine schwierige Aufgabe. Viel mehr muss man im Leben aber gar nicht erreichen. Will man vielleicht auch gar nicht.

 

 

 

Diese Seite soll ein Wegweiser für faire und nachhaltige Kleidung sein. Außerdem will ich euch den Zauber vom selbermachen näherbringen. Es gibt so viel anderes zu Entdecken!! Es ist auf dieser Seite aber alles erst am Entstehen. Und das Motto ganz oben gilt vielleicht am meisten für mich selbst.

 

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